Webdesigner in freier Wildbahn – Teil 1

Tastatur

Der Beruf des Webdesigners ist weit verbreitet. Jeder von uns hat in seinem Umfeld mindestens einen . Alle Altersgruppen sind dabei vertreten. Mit Sicherheit ist über schon viel geschrieben und berichtet worden, doch empfinde ich die Berichterstattung oft als sehr einseitig und hetzerisch.

Im ersten Teil dieser Serie von Beiträgen widme ich mich dem Berufsbild des Webdesigners. Es geht mir darum, die Ansichten der und der Kunden darzustellen, so dass jeder der beiden Seiten reflektieren kann.

Im zweiten Teil werde ich Schwachstellen und Vorschläge bringen, wie und Kunden besser aufeinander treffen sollten.

Das Produkt

Das Produkt, dass Webdesigner erstellen, ist die . Eine basiert auf dem immer gleichen Grundprinzip, einerseits Informationen auszugeben und andererseits Informationen aufzunehmen. Informationen können Texte, Bilder, Audioinhalte, Videos und interaktive Anwendungen sein.

Basierend auf diesem Grundprinzip haben sich verschiedene Ausprägungen entwickelt. Dabei richtet sich die Ausprägung stets nach dem Vorhaben des Betreibers. Es gibt folgende Ausprägungen:

  • Webvisitenkarte
  • Informative Website
  • Webshop
  • Communityplattformen (z.B. Foren, Chats, Social Networks)
  • Video- und Audioplattformen
  • Browserspiele

Mitunter überschneiden sich die Ausprägungen auch. Ein Beispiel dafür sind Webseiten von Bands. Sie enthalten einerseits Informationen über die Band, bieten Audio- und Videoinhalte an und besitzen sehr oft einen eigenen Shop für Merchandise-Artikel. Zum guten Ton gehört auch eine Anbindung zu verschiedenen Social Networks.

Eine Website besteht aus drei Säulen. Zum einen den technischen Teil, die . Zum anderen das und den Inhalt. Alle drei Säulen müssen im Einklang stehen, damit eine Website als gehaltvoll bezeichnet werden kann.

Die Gründe für das Betreiben einer Website sind betriebswirtschaftlicher Natur. Ausgenommen sind davon lediglich private oder karitative Webseiten. Sehr oft liegen mehrere Gründe für das Betreiben einer Website vor. Nachfolgend sind die wichtigsten Gründe gelistet.

Branding

Branding, im deutschen unter Markenführung und Markenpflege bekannt, beschäftigt sich mit dem Aufbau und der Weiterentwicklung einer Marke. Der Aufwand wird betrieben, um das eigene Angebot von dem der Mitbewerber spürbar abzugrenzen. Interessant ist Branding für die verschiedensten Kundentypen, allen voran Unternehmen.
Eine Website ist selbstverständlich nur ein Werkzeug, dass dem Branding zur Verfügung steht.

Image

Das Image ist ein subjektives Gefühl über ein Produkt, eine Marke – allgemein eine Sache. Mit einer Website kann man Einfluss auf das Image nehmen, aber nicht passgenau vorgeben.
Vom Image sind Unternehmen, Parteien, Vereine, Personen des öffentlichen Interesses und sogar Religionen abhängig.

Angebote

Die klassische Form, dass eigene Angebot bekannt zu machen sind Werbeprospekte die an die Haushalte und Unternehmen verteilt werden. Eine schnellere und kostengünstigere Variante ist die Bekanntmachung des Angebotes auf einer Website.
Hervorragend ist es, wenn eine Website nicht nur das Angebot präsentiert, sondern auch einen Webshop beinhaltet.

Bereitstellung von Dokumenten

Dokumente begleiten uns heutzutage immer und überall. Ständig gibt es etwas auszufüllen. Bisher werden noch überwiegend Dokumente per Post zugesandt, bevor sie ausgefüllt werden können. Oder man holt sie sich selber ab bei der jeweiligen Stelle. Der schnellere Weg ist der Download von Dokumenten, die jeder selber daheim oder im Büro ausdrucken kann. Das spart Zeit und Geld.
Anbieter von Dokumenten sind so vielzählig wie die Dokumente selbst. Parteien, Ministerien, Ämter, Unternehmen, ja sogar Vereine haben Dokumente, die verfügbar für Jedermann sein müssen.

Die Webdesigner als Anbieter

Webdesigner ist nicht gleich Webdesigner. Es haben sich durch die Struktur des Marktes im Verlauf der Jahre verschiedene Typen von Webdesignern gebildet.

Schüler

Sicher ist, dass der gemeine Schüler nur bedingt als Webdesigner zu verstehen ist. Der Schüler agiert weitestgehend ohne kommerzielle Absichten. So erstellt er in seiner Freizeit für seine Schule, seinen Karate-Verein und Papa’s Anglergruppe jeweils eine Website. Die Qualität dieser Webseiten ist zu 95% schlecht – sowohl in der technischen als auch in der grafischen Umsetzung. Ursache dafür sind fehlende Erfahrungen und fehlendes Fachwissen. Die meisten Schüler setzen sich mit HTML und CSS auseinander. Der Anteil der Schüler, die JavaScript erlernen, ist schon merklich geringer.
Photoshop scheint jeder 12-Jährige schon zu besitzen. Die Ergebnisse enden allerdings immer in massiver Verwendung von Ebeneneffekten und Filtern. Das Gespür für gutes Design fehlt. Logisch, da Wissen und Erfahrung noch fehlen.

Student

Der größte Teil der Studenten hatte mit Sicherheit nicht vor, mit Webdesign den Lebensunterhalt zu bestreiten. Durch den hohen Grad an Disziplin und dem gut fundierten Fachwissen sind die Webseiten technisch sehr exakt. Grafisch wird oft nur das absolut Nötigste gemacht. Die Ursache dafür ist ein Zeitproblem. Neben dem Bestreiten des Lebensunterhaltes muss der Student an Vorlesungen teilnehmen und im Idealfall auch täglich lernen. Somit kann nur nach dem Prinzip Keep-it-simple gearbeitet werden. Eine intensive Beratung des Kunden erfolgt auch eher selten.

Agentur-Webdesigner

Der Agentur-Webdesigner ist jemand, der durch die Erfahrungen seiner Studienzeit oder durch seinen Abschluss das nötige Know-How erhalten hat, um in einer Agentur tätig zu werden. Viele nehmen auch den Einstieg über eine Ausbildung zum Anwendungsentwickler.
In einer Agentur gibt es oft den Luxus, einen Projektleiter und Account Manager neben sich zu haben, die die Anforderungen an eine Website vorab abklären und die Kommunikation mit dem Kunden übernehmen. Diese Struktur ermöglicht die volle Konzentration auf die eigentliche Tätigkeit. Lästig, aber notwendig ist der stetige Hinweis auf die Deadline durch den Projektleiter.

Webdesigner für Unternehmensprodukte

Der Webdesigner für Unternehmensprodukte grenzt sich zum Agentur-Webdesigner dadurch ab, dass er werktäglich stets an ein und derselben Website arbeitet. Die Arbeitsweise ist ein Stück angenehmer, da das Spektrum der Anforderungen relativ konstant ist und die Ziele langfristiger sind. Deadlines brennen sich aber nach wie vor in den Kopf ein.
Viele dieser Webdesigner, oft auch einfach nur Entwickler genannt, kämpfen nach gewisser Zeit mit der Langeweile. Die Herausforderungen bleiben vermehrt aus, so dass neue Horizonte gesucht werden. Ein Wechsel zu anderen Unternehmen, womöglich auch zu Agenturen, ist daher über kurz oder lang der Fall.

Ebenso wie der Agentur-Webdesigner handelt es sich bei diesem Typ um absolute Profis. Die Qualität der Arbeitsleistung kann durch weitere Instanzen im Unternehmen sichergestellt werden.

Freiberufliche Webdesigner

Dieser Typ entspringt oft dem Studenten oder Hobby-Webdesigner. Er vereint zusätzlich zum Webdesign auch die Funktion des Account Managers und Projektleiters in sich. Neben der operativen Verantwortung trägt er auch die unternehmerische Verantwortung. Das Risiko für diese Form ist nicht von der Hand zu weisen, bietet aber auch gegenüber angestellten Arbeitsverhältnissen gewisse Vorteile.

Im Gegensatz zum Agentur-Webdesigner und Produkt-Webdesigner kann man bei diesem Typ nicht automatisch davon ausgehen, dass es sich um einen absoluten Profi handelt. Es gibt keine unabhängige Instanz der Qualitätssicherung. Für viele Freelancer ist dieser Beruf oft ein Mittel zum Zweck geworden. Leider oft aus Alternativlosigkeit.

Fachliche Anforderungen für Webdesigner

Körperliche Anforderungen stellt der Beruf natürlich nicht, auch wenn es durchaus sinnvoll ist, beide Hände und alle Finger zu besitzen. Letztlich hat uns aber Stephen Hawking bewiesen, dass man keine Finger braucht, um schriftlich arbeiten zu können. Wie lange es allerdings dauern würde, eine Website nach Hawking-Manier zu entwerfen, ist unbekannt. Es gibt bequemere Wege.

Die fachlichen Anforderungen sind dafür erheblich. Mathematik und das objektorientiertes Denken sind eine sehr gute Basis. Nachfolgend eine Liste mit Sprachen, Frameworks und Content Management Systemen, mit denen ein Webdesigner heutzutage umgehen können sollte.

Sprachen

HTML
Steht für Hypertext Markup Language. Diese Auszeichnungssprache bildet die Struktur einer Website und verknüpft HTML-Dokumente miteinander – sofern gewünscht.

CSS
Cascading Stylesheets ermöglichen die individuelle Gestaltung und Formatierung von Website-Elementen.

PHP
Dieses rekursive Akronym und Backronym steht für PHP Hypertext Processing. Mit dieser Skriptsprache sind dynamische Webseiten realisierbar. PHP wird serverseitig ausgeführt.

JavaScript
Eine clientseitige Skriptsprache, mit der man HTML-Dokumente manipulieren kann. Zum Beispiel für Validierung und Effekte.

SQL
Die Structured Query Language bildet die Schnittstelle zur Datenbank, in der Inhalte gespeichert werden.

Frameworks

jQuery
Ein Framework auf Basis von JavaScript.

Symfony
Ein kostenloses PHP-Framework.

Zend Framework
Ein PHP-Framework von Zend.

Content Management Systeme

Joomla
Ein Open-Source CMS, welches äußerst populär ist.

WordPress
Ein CMS, dass ursprünglich für Blogs verwendet wurde, mittlerweile aber auch für normale Webseiten verwendet wird.

Typo3
Jahrelanger High-Roller in der Entwickler-Szene.

Diese Liste lässt sich um etliche Einträge erweitern. Natürlich kann ein Webdesigner nicht alle Sprachen, Frameworks und Content Management Systeme beherrschen. Aber er sollte in der Lage sein, sich in neue Systeme und Frameworks einzuarbeiten.

Sofern ein Webdesigner sich nicht als reiner Programmierer versteht, muss er sich mit Grafikanwendungen auskennen und qualitativ akzeptierbare Ergebnisse liefern.

Die Kunden

So gerne wie man es jedem Webdesigner gönnt, die wenigsten werden Aufträge mit riesigen Budgets von Konzernen erhalten. Es gibt neben den Konzernen auch noch andere Kundentypen.

Alle Kunden haben die Absicht, eine Website zu betriebswirtschaftlich optimalen Konditionen zu erhalten. Im Idealfall besitzen die Kunden ein Wissen und Interesse an Branding und Image. Wie man gleich sehen wird, ist dass nicht immer der Fall.

Konzern

Ein Konzern verfügt über ausgesprochen große Budgets für Werbemittel. Diese Budgets vergeben Konzerne fast ausschließlich an große Agenturen, da diese durch die starke Arbeitsaufteilung und Schnittstellenbildung eine hervorragende Performance abliefern. Eine Agentur wird immer erst dann gewechselt, wenn keine neuen, unverbrauchten Ideen geliefert werden können. Man möchte damit Betriebsblindheit verringern.

Konzerne haben ein sehr starkes Bewusstsein für Branding und wissen schon vor dem Kontakt mit dem Account Manager, was sie benötigen. Das bedeutet jedoch nicht, dass keine Beratung mehr zu erfolgen hat.

Mittelstand

Zum Mittelstand gehören die meisten Unternehmen in Deutschland. Der obere Mittelstand verfügt oft über eine interne Marketingabteilung oder eine Verkaufsförderung. Eine Schnittstellenbildung ist in diesen Unternehmen noch problemlos möglich.
Der mittleren und kleine Mittelstand verfügt wenn überhaupt, oft nur über einen Marketingbeauftragten, dem es für eine aktive Auseinandersetzung mit der Planung einer Website einfach an Zeit mangelt. Das Bewusstsein für Branding fehlt hier bereits

Der obere Mittelstand neigt dazu Agenturen zu buchen, während der mittlere und kleine Mittelstand den Freelancer oder Studenten buchen wird. Nicht zuletzt auch aus Kostengründen.

Kleine Unternehmen

Kleine Unternehmen buchen nur selten Agenturen. Sie greifen auf Freelancer und Studenten zurück. Ein Bewusstsein für Branding fehlt vollkommen. Die Ausnahme bilden innovative StartUps.

Personen des öffentlichen Interesse

Die Stars und Sternchen unterstehen fast immer ihrem Management und haben als Person kaum Einfluss auf die Wahl ihres Webdesigners. Das Management entscheidet sich zu 99% für Agenturen. Man legt sehr viel wert darauf, dass Image des VIP zu polieren. Dafür müssen erstklassige Webseiten her. Wenn schon der Star kein Bewusstsein für sein Image hat – das Management hat es!

Vereine

Die meisten Vereine haben kaum Geld zur Verfügung und buchen Studenten und Freelancer. Idealerweise ist der Webdesigner sogar im Verein.

Nur wenige Vereine haben ein Bewusstsein für Branding und Image.

Parteien

Parteien mit vielen Mitgliedern haben höhere Einnahmen durch Mitgliedsbeiträge und können sich für ihre Öffentlichkeitsarbeit größere Budgets erlauben. Man möchte meinen, dass Agenturen hier das Geschäft dominieren. Meine Beobachtungen und eigenen Erfahrungen haben gezeigt, dass Partei-Webseiten von Webdesignern erstellt werden, die selber im Unternehmen sind. Eine Hand wäscht hier noch die andere.

Gemeinnützige Organisationen

Egal wie gemeinnützig eine Organisation ist, es gibt keine Gewinne die für eine große Rücklagenbildung verwendet werden können. Daher werden überwiegend Freelancer beauftragt, da diese ohne große Budgets auskommen.
Gemeinnützige Organisationen haben ein Wissen um ihr Image, sind aber oft überfordert ihr Image vernünftig zu pflegen.

Regierung – Ministerien und Ämter

Bei Regierungsaufträgen mischen grundsätzlich alle Webdesigner mit. Durch die Notwendigkeit einer öffentlichen Ausschreibung gewinnt das günstigste Angebot im Verhältnis zum besten Leistungsumfang.

Markt

Der Markt für Websites ist ein Polypol. Eine große Anzahl von Anbietern steht potentiellen Kunden gegenüber. Allerdings ist die Nachfrage nicht ausreichend genug, um allen Anbietern ein gutes Auskommen zu ermöglichen.

Die Marktlandschaft besteht größtenteils aus Agenturen, Freelancern und Studenten. Schüler sind weitestgehend zu vernachlässigen.
Greifen Kunden auf eine fertige Lösung zurück, so bei Groupwares und CRM-Systemen, ist der Webdesigner für Unternehmensprodukte gefragt.

In den Markt wirken noch Anbieter mit ein, die Desktop-Anwendungen für Endkunden bereitstellen, mit denen sie ihre eigene Website durch ein paar Mausklicks generieren können. Beste Beispiele dafür sind Artisteer und Fusion aus dem Haus NetObjects.

Den größten Anteil der Marktkapitalisierung nehmen Aufträge durch kleine und mittelständische Unternehmen ein. Zwar sind die Budgets durch Großaufträge von Konzernen keineswegs gering, dennoch ist der Mittelstand nach wie vor sehr mächtig. Vor allem weil immer mehr StartUps in den Markt eintreten, ist eine stetige Versorgung mit Websites gefragt.

Agenturen und Lösungsanbieter findet man überwiegend in den Großstädten. Dort ist ein hohes Wettbewerbsaufkommen vorhanden, weswegen ständig neue Agenturen kommen und scheinbar rentable Agenturen vom Markt verschwinden. Oftmals koppeln sich einige Mitarbeiter aus einer Agentur aus und gründen ihre eigene Agentur. Somit bauen viele Agenturen ihre eigenen Mitbewerber auf. Relativ beständig hält sich Jung von Matt. Personal mit Führungsqualitäten wird dazu verwendet, eine Zweigstelle in anderen Regionen zu eröffnen. Dadurch wird anderen Agenturen der Marktanteil genommen und die Marke JVM vorangebracht. Allerdings ist Jung von Matt längst keine kleine Agentur mehr und arbeitet fast ausschließlich für große Budgets.
Freelancer hingegen findet man überall auf der Welt. Es gibt nur wenige Freelancer die sich mit Agenturen messen können und an ähnlich große Budgets herankommen. Durch den sehr hohen Anteil an Freelancern auf dem Markt ist ein Dumping-Trend entstanden, bei dem nicht ein einziger Verlierer feststeht. Es nagt an der gesamten Branche. Verstärkt wird der Trend durch Studenten, die an diesem Dumping-Trend aktiver teilnehmen.

Die Auftragsvergabe erfolgt neben dem klassischen Netzwerken über Ausschreibungen, Wettbewerben und Auftragsvermittlern auch über Auftragsplattformen wie Blauarbeit.de und MyHammer. Die Auftragsplattformen haben den Dumping-Trend der Branche maßgeblich unterstützt.
Agenturen sind wahre Meister im Netzwerken. Aber auch sie bedienen sich der Ausschreibungen und Wettbewerbe. Freelancer tendieren immer mehr zu den Auftragsplattformen und Wettbewerben.
Speziell Wettbewerbe neigen dazu in einem Verlustgeschäft zu enden, wenn man den Zuschlag nicht gewinnt. Für die stetig steigenden Vorgaben und Anforderungen ist mit qualitativ hochwertigen Umsetzungen nicht mehr beizuwohnen. Jedenfalls nicht nach betriebswirtschaftlich Aspekten.
Öffentliche Ausschreibungen haben einen markanten Nachteil: Man wartet mitunter sehr lange auf die Auszahlung des Budgets.

Image

Agentur-Webdesigner und Produkt-Webdesigner genießen einen normalen, durchschnittlichen Ruf. Sie profitieren vom Image der Agenturen.

Studenten und Freelancer hingegen haben einen unterdurchschnittlichen Ruf. Für sie war der Begriff Webdesigner einst ein geflügeltes Wort. In den letzten Jahren ist das Image allerdings gesunken und gleicht in der Bedeutung immer mehr dem des Klemptners. Man wird beauftragt, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt. Dass diese Dienstleister auch noch eine Rechnung stellen, schlägt dem Fass den Boden weg. Zumindest aus Kundensicht.

Viele Webdesigner umgehen das Wort Webdesigner mit Namen wie Webentwickler, Web-Developer, PHP-Entwickler und Web-Experte. Die Wirkung auf den Kunden ist dabei immer noch die Selbe.

Ansichten über das Produkt

Das Produkt Website wird verschieden betrachtet.

Kunden von Agenturen betrachten eine Website bewusst als ein Instrument für ihre Kommunikation mit dem Kunden. Sie wissen um die Notwendigkeit und Bedeutung für ihr Unternehmen.

Die zweite Gruppe erkennt in einer Website die Bedeutung für das eigene Unternehmen, sieht aber nicht die Notwendigkeit ein. Diese Kundengruppe wendet sich eher selten an Agenturen und landet bei Freelancern und Studenten. Es sind die Kunden, die meist aus wirtschaftlichen Gründen grundlegend zum günstigsten Angebot tendieren. Dass dafür keine überragende Qualität geliefert werden kann, leuchtet ein.

Die dritte Gruppe sollte sich selber ernsthaft einmal die Frage stellen, was sie mit ihrer Unternehmung überhaupt erreichen wollen. Diese Gruppe bucht den Schüler, nimmt Fertiglösungen wie Jimdo oder bastelt die Website mit Artisteer oder Fusion selber. Diese Ergebnisse sind zu 99% vergleichbar mit Pfusch bei Schönheitsoperationen. Solche Kunden erreichen mit ihrer Website nur eines: Adresse und Telefonnummer werden von den Suchmaschinen eingelesen. Diese Webseiten fördern nicht das Image und auch keinen Umsatz. Damit legt der sich selber Steine in den Weg.

Qualität der Anbieter

Geschätzte 80% der Agenturen liefern hochwertige Webseiten. Die übrigen 20% leben im Windschatten der 80%.

Bei Freelancern sind es gefühlte 70%, die hervorragende Arbeit leisten. Bei dem Rest habe ich das Gefühl, dass ein Qualitätsbewusstsein nur in der Einbildung existiert. Einige geben sich noch Mühe ihre eigene Firmenwebsite hochwertig wirken zu lassen, scheitern aber an schlampig erstellten Referenzen. An solchen Anbietern wird eines klar: Dumping hält die Ursuppe am leben.
Bei diesen Anbietern weiß man als Kunde von vornherein, dass das Webdesign nur eine von vielen halbherzig betriebenen Disziplinen sein kann. Deswegen frage ich Sie, lieber Leser: Wollen Sie, dass man ihren Auftrag halbherzig behandelt?

Die Anforderungen an den Beruf nehmen mit jedem Jahr weiter zu. Qualität zu liefern hieß einst, ein paar Effekte in Photoshop auszuprobieren und etwas HTML und CSS zu können. Oftmals wurden sogar noch die Standardeinstellungen der Filter verwendet, weswegen ich mittlerweile 0815-Schlagschatten und Amboss-Effekte nicht mehr sehen kann.

Weiter geht es  im zweiten Teil, bei dem es etwas kritischer zugeht..

 

Bildnachweis: sxc.hu / dariuszman

 

Ein Trackback

  1. [...] zweiten Teil von Webdesigner in freier Wildbahn wird Kritik geübt. Wer mich kennt, weiß, dass ich äußerst ungern und selten Kritik übe, ohne [...]

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